Bericht vom Ötztaler Marathon 2011

(mk) „Ich habe einen Traum“

Der Slogan vom Ötztaler Marathon. Das sind 230 km und 5500 Höhenmeter.
Dieser Traum sollte für uns heute am 28.08.2011 in Erfüllung gehen. Wir machten uns um kurz vor 7.00 Uhr auf den Weg.
start_6.45_uhr_4_grad_kalt_149.jpg
Wir das sind Ralf Okkels, Michael Gratz, Volker Degenhardt, Thomas Mai und ich plus ca. 4000 weitere Verrückte. Gestern war auf der Strecke noch Dauerregen und auf den Gipfeln sogar Schnee. Heute Morgen am Start waren es immer noch 6 Grad kalt. Aber der Wettergott hatte wohl ein einsehen mit uns und er versprach uns den ganzen Tag Sonne und es sollte auch noch richtig warm werden. Nun standen wir aber Zähne klappernd vor Kälte und Anspannung am Startblock. Viele hatten sich dick eingepackt, weil es jetzt erst mal 30 km Berg ab ging. Aber egal ob dick eingepackt oder nicht, alle bekamen kalte Hände und man friert weil der nasse Nebel über all durch und durch kriecht. Die 30 km sind in ca. 45 min erledigt und jetzt geht es in den ersten Berg.156.jpg
Zum Kühtai hoch fahren wir 17,3 km und mit einer Steigung von 1200 hm auf 2020 m Höhe. Viele ziehen sich schon unten die Jacke und Beinlinge aus, da man wusste jetzt wird der Körper so oder so warm. Leider ist es am Anfang noch ein ganz schönes Gedränge und man ist mehr damit beschäftigt nicht einem Mitstreiter ins Rad zu fahren, statt auf seinen Tritt zu achten, damit man nicht schon am ersten Berg „platz“. Hier ist die Devise einfach nur „locker“ hoch zu fahren. Aber für mich als Flachlandtiroler ist es natürlich sehr hart 1:20 Std. (Schnitt 12,9km/h) nur Berg hoch zu fahren und das bei Steigungen die auch schon mal 18% hatten.
Es ist aber noch am Anfang der Tour und daher ist man noch voll motiviert und ich fahre mit 12-13 km/h der „Dortmunder Hütte“ entgegen. Warum man ein Hotel auf 2000 m Höhe in Tirol „Dortmunder Hütte“ nennt ist mir ein Rätsel. Das witzige daran, von der Seite werde ich von einem Münsteraner Angesprochen und dann steht noch ein Gütersloher Auto mit jubelnden Begleitern dort die sicher auch auf einen Fahrer warten. Na super denke ich hier ist ja alles in westfälischer Hand. Angekommen am Scheitelpunkt ziehe ich die Windweste und die Beinlinge wieder an und versorge mich mit warmen TEE. labestation_jaufenpass_122.jpgDas tat richtig gut. Ich fühle mich an die frühen 80er erinnert wo ich beim Wintertraining auch immer warmen Tee von meinen westfälischen Eltern bekam. Die Labestation gehört vermutlich einer westfälischen Crew.
Ich erblicke Thomas und schwinge mich aufs Rad, um dann die fantastische Abfahrt zu genießen. Inzwischen ist es hell und man kann die Straße gut erkennen. Der Überblick ist hervorragend und mein Simplon fährt wie auf Schienen die kurvige Abfahrt herunter mein Tacho zeigt 98,4 km/h.markus_krebsbach_abfahrt.jpg
Unten angekommen ist es auf einmal sehr warm und ich ziehe auch meine Ärmlinge aus. Jetzt wird es erst mal flach und ich fahre zu einer Gruppe auf um die Strecke von 38 km und 700 Höhenmeter (1:15h, Schnitt 30,2km/h) über den Brenner zu bewältigen. Thomas gesellt sich zu mir und fühlt sich nun in seinem Element mit seinen Aero-Laufräder drückt er mächtig aufs Tempo und fährt von einer Gruppe zur anderen auf mit seinem, schon in der RTF Szene bekannten Art (Unterarme auf den Lenker). Ich fühle mich wie auf einer schnellen RTF und folge einfach Thomas ohne meinen Puls zu überdrehen. Später stellen wir fest, dass wir hier die meisten Plätze gut machen werden.
Am Ende des Abschnitts gibt es die zweite Labestation wobei ich nicht genau sagen kann ob wir schon auf der Italienischen Seite sind. Aber egal Hauptsache ich bekomme was zu Trinken. Man ist super hilfsbereit und füllt sofort meine Flasche auf. Als ich nach etwas Salzigem verlange sprintet die Helferin sofort zum nächsten Stand und versorgt mich mit salzigem Gebäck. Ziemlich beeindruckt von der schnellen Hilfe und dem Super Service rolle ich mit Thomas weiter.
Jetzt kommt der dritte Anstieg es geht zum Jaufenpass hoch d.h. 21,6 km und 1130 Höhenmeter (1:26h Schnitt 15,0km/h). Jetzt drängt sich das Feld wieder und bis zur Baumgrenze ist es dicht bewaldet. Ich merke nun dass es keine 100 km Flachland RTF ist und zwinge mich immer wieder langsamer zu fahren damit der Puls nicht über 150 Schläge geht damit meine Beine nicht sauer werden. Schließlich steht uns noch ein vierter und längster Anstieg bevor. labestation_timmelsjoch_170.jpgThomas und ich beschließen an der nächsten Labestation einmal länger Pause zu machen. Es sind jetzt am Anstieg eigentlich immer die gleichen Leute die uns begleiten manchmal fahren wir etwas vor manchmal überholen sie uns.ausblick_beim_anstieg_zum_timmelsjoch_174.jpg
Ich wechsele die Gänge immer mal wieder vom ersten (im Sitzen) und dritten (im Wiegetritt). Wenn ich in die Gesichter links und recht schaue sehen schon viele sehr gequält aus vermutlich sehe ich nicht besser aus. An der Labestation kurz vor der Kuppe halten wir länger an ich trinke eine Cola und fülle meine Flasche wieder auf. Ich habe inzwischen schon so viele Power-Gels gegessen, dass ich die leckeren Sachen die es dort gibt nicht mehr runter bekomme. Das erste Mal in meinem Leben sehe ich RedBull mit Wasser gemischt brrr mit Wodka kennt man das ja aber mit Wasser ??? na ja wer’s mag.
Anschließend geht es in die Abfahrt und ich genieße mal wieder bewusst die herrliche Bergwelt da wir einen wunderschönen Blick ins Tal haben. Leider ist die Abfahrt sehr gefährlich, da es viele Längsrillen und Bodenwellen gab. Also wieder den Blick aufs wesentliche und die Abfahrt diesmal Vorsichtig angehen. Leider sehe ich dabei auch einen Verletzten, wo aber schon ein Krankenwagen und Helfer vor Ort ist, die. Auch das war super Organisiert. Man merkt, dass die Organisatoren 30 Jahre Erfahrung haben.
abfaht_jaufenpass_166.jpgFlach geht es kaum noch. In St. Leonhard angekommen hat man die Gewissheit jetzt müssen wir in 31 km die 1760 hm schaffen um letztlich auf 2500 m Höhe zu kommen. Man motiviert sich, dass das der letzte Anstieg ist. In diesem Moment war es mir aber noch nicht klar was das heißt. Es kommt eine Kehre nach der anderen mit langen steilen Geraden keiner fährt mehr Vollgas alle sind am Limit angekommen. Als ich auf meinen Tacho schaue merke ich, dass wir den Marathon unter 10 Std. schaffen können, wenn wir jetzt das Tempo halten und wo weiter fahren wie bisher. Viel früher als erwartet sehe ich ein Gebäude das ich vom Donnerstag kenne, wo wir von der anderen Seite aufs Timmelsjoch gefahren sind.
Voller Vorfreude das wir es gleich geschafft haben, juble ich schon innerlich. Das der Berg doch aber noch lange nicht zu ende ist bekomme ich zuerst gar nicht mit. Erst als wir an dem Gebäude vorbei sind, merke ich, dass wir noch lange nicht oben sind. Es handelt sich um ein zweites Gebäude, dass so ähnlich aussieht und wesentlich weiter unten gebaut wurde. Ab da geht die Moral in den Keller, zumal ich jetzt noch mal sehe kann wie Steil es jetzt noch mal wird und durch die Höhenmeter fängt man langsam mit Schnappatmung an. Jede Pedalumdrehung ist nun Quälerei die ich bis dato nicht kannte.
Erst als wir durch die Tunnel fahren die kaum Steigungen haben geht es wieder leichter und man sammelt noch mal Energie für die letzten Höhenmeter. Als wir am Scheitelpunkt des Timmelsjoch angekommen sind läuft es mir eiskalt den Rücken runter denn ab jetzt kann mir außer einem Sturz nichts mehr Passieren. Es geht erst noch mal eine lange Gerade steil bergab wo ich „mal wieder“ Geblitzt werde zum Glück gibt es diesmal in Flensburg keine Punkte dafür. Der letzte Anstieg von 250 Höhenmetern schmerzt zwar noch mal aber die Vorfreude auf das Ziel beseitigt die Schmerzen.
Bis nach Sölden geht es jetzt Berg ab und wir halten kurz vor Sölden noch mal an und richten unsere RSC Trikots. Am Straßenrand stehen welche und schauen erstaunt, nach dem Motto, warum halten die noch mal kurz vor dem Ziel an(?), ich sagte das man wenn man schon mal durch die Hölle geht am Ende zumindest Gut aussehen sollte. zieleinfahrt_slden_von_markus_und_thomas.jpgThomas und ich ziehen an den lachenden Zuschauern vorbei und geben noch mal Gas um zum Schluss gemeinsam über das Ziel zu fahren. Ich freue mich schon auf den Grillteller, denn heute habe ich genug Kalorien verbrannt.
 
Markus Krebsbach 31.08.2011 
Letzte Änderung amMittwoch, 07 Januar 2015 23:15
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