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Ötztaler Radmarathon 2013

Es fing alles vielversprechend an. Zuerst noch schönes Wetter vorausgesagt, sind wir am Donnerstag um Punkt 5:00 Uhr gestartet. Die Autobahn war, bis auf ein paar Baustellen frei, so dass wir nach 9 Stunden Reisezeit angekommen sind. Schon ganz „heiß“ bei dem schönen Wetter noch eine Runde zu fahren. Dietmar kam auch gleich vorbei und schlug uns vor nach Längenfeld zu fahren und dann nach Grieß hoch um schon mal an zu testen, was 12% Steigung auf 5 km Länge sind.  Bilder anklicken!gruppenfoto_klein.jpg

Am Abend kamen dann Arne und Schanky dazu. Wir sind dann zu dem bekannten Italiener gegangen. Leider war die Bedienung nicht sehr freundlich, worauf wir beschlossen, unser Abschlussessen dort nicht zu verbringen. Dafür war es an unserem Tisch und auch später im Apartment besonders lustig. Natürlich drehte sich alles um das große Event und Arne sowie Schanky hatten viel Spaß über die Leiden, welche  wir dort ertragen, zu philosophieren.

Am nächsten Tag ging es dann direkt nach dem Frühstück los und wir fuhren bis zum Timmelsjoch hoch. Arne legte zwar am Anfang los, stellte aber dann selbst fest, dass die Steigungen länger dauern werden und wurde dann ruhiger. Dafür fuhr Thomas  seinen Rhythmus hoch und uns immer mehr davon. Schanky, Arne und ich sind gemütlich über Obergurgel hinterher. Fotos wurden gemacht, da das Wetter auch super war. timmelsjoch_markus_klein.jpg

Auf der Abfahrt kamen uns Volker und Axel entgegen, die inzwischen auch angekommen waren und den Anstieg zum Timmelsjoch ebenfalls hoch fuhren. Am Nachmittag sind wir noch mit der Seilbahn zum Gaislachkogel auf 3048m hoch. Abends haben wir unsere Startunterlagen abgeholt, sind ein bisschen über die Verkaufsstände geschlendert um dann lecker Pizza bei der Pizzeria Onkel Tom zu essen.

Samstag war eigentlich Chillen angesagt, aber es war fast schon stressig. Wir sind erst alle eine Runde bei tollstem Wetter 2 Stunden gefahren, (Axel und Volker habe daraus eine Capuccinorunde gemacht), die anderen sind mit Schanky zwischendurch Schafnaturgarn einkaufen gegangen.

Arne machte derweil etwas Stimmung und so ist der Name „Champ“ geboren, was Schanky veranlasste, ab da nur noch „der Champ kommt“  zu rufen. Ich glaube, sämtliche Teilnehmer und Einwohner wissen nun, wie der wahre Champ aussieht. Dann in die Soletherme relaxen und anschließend zur Massage.

Thomas hatte uns Soße Bolognese schon in Hildesheim gemacht und wir konnten diese mit den Makkaroni, die wir im Starterbeutel bekommen hatten, essen. Wir verfolgten noch die Internationalen Rennen bei Eurosport und sind dann in‘s Bett gegangen. Schlafen konnte ich eh schlecht.

Denn eines beschäftigte uns schon die ganze Zeit. Die Wettervorhersage war eine Katastrophe Starkregen und sogar Schnee am Timmelsjoch war angesagt. Aber Volker hatte die Marschrute vorgegeben:  „Aufgeben oder nicht fahren ist keine Option“ so wurde heftig diskutiert was man denn anziehen soll. Auf jeden Fall stand fest, dass wir erst kurz vor dem Startschuss zur Aufstellung gehen werden. Dietmar kam dazu und erzählte, dass seine ganze Gruppe, die die Woche über trainiert hatte, nicht an den Start gehen wird.

Später stellte sich heraus: 700 Fahrer sind gar nicht gestartet. 1000 Fahrer haben aufgegeben.

Von Sölden nach Ötz runter Starkregen und ich merkte schon, dass meine Bremsen nicht so gut bremsten, wie ich es von normalen Alufelgen bei Nässe gewohnt war. Ich wurde immer vorsichtiger und nur Dietmar war noch bei mir. Axel, der sich immer vorne einreiht, war eh schon weg und Schanky sowie Thomas und Arne, die mit uns gemeinsam los gefahren sind, waren voraus.

Am Start hatten wir noch gesagt, dass wir zusammen bleiben, aber bereits in der Abfahrt wurde mir klar, dass wir uns zwar  gegenseitig motivieren können, aber eigentlich jeder für sich fahren muss. foto_schanky_klein.gif

Von Ötz zum Kühtai hoch bin ich dann auch mein Tempo gefahren. Ich holte erst Schanky, dann Arne und Thomas ein, sowie an der Kuppe auch noch Axel, der ja deutlich vor uns gestartet ist. Das zählte aber alles nicht, da ich bei dem Starkregen den Kühtai runter nach Innsbruck deutlich langsamer fuhr als die anderen. Nur Arne und Volker fuhren ähnlich vorsichtig wie ich. Wenn man bei strömenden Regen die Bremsen mit voller Kraft zieht und erst mal 100 m nichts passiert, dann das ganze Rad an zu zittern beginnt, so dass man denkt der Rahmen fliegt auseinander schickt man schnell ein paar Stoßgebete gen Himmel.  In Innsbruck angekommen meinte ich zu Dietmar, dass ich aufgeben werde, da ich fast nicht bremsen konnte. Das wäre den Jaufenpass runter gar nicht gegangen, da es hier 180 Grad Kurven gibt, die ich nicht hätte einbremsen können. Dietmar der mit 6 Ötztal Marathon mächtig Erfahrung hatte, meinte zu mir, dass es weiter schon deutlich besser aussehen würde und es dann auch trocken ist. Also fuhr ich mit Schanky und Dietmar weiter zum Brenner.Von Innsbruck zum Brenner hoch sollte sich Dietmars Voraussage bewahrheiten und ich merkte, wie zwar die Straßen noch nass waren, aber der Regen aufgehört hatte. Jetzt waren die Lebensgeister wieder in mir erweckt und ich gab Gas. Leider zum Leidwesen meiner Begleiter, die nicht folgen wollten und daher etwas zurück blieben. Zwei Fahrer schlossen sich mir an und wir fuhren von Gruppe zu Gruppe auf, so dass ich einen 30er Schnitt fuhr. An der Labestation oben am Brenner traf ich Thomas und wir fuhren zusammen bis nach Gasteig.

Von Gasteig zum Jaufenpass hoch fuhr ich dann wieder mein Tempo und Thomas der zwischenzeitlich das Regencape ausgezogen hatte, war zwar kurz hinter mir, fuhr aber nicht mehr auf mich auf. Ich überholte dann Axel, der durch seine geschickte Fahrweise, (Rekordverdächtige Abfahrtzeiten) somit erst jetzt von uns eingeholt wurde. Vor zwei Jahren machte ich eine lange Pause an der Jaufenstation. Diesmal war das Wetter aber nicht so heiß, so dass ich nur kurz meine Trinkflasche auffüllte und dann weiter fuhr.

Vom  Jaufenpass nach St. Leonhard runter waren die Straßen trocken und ich konnte endlich mal wieder Vollgas fahren, da meine Bremsen nun einwandfrei funktionierten. Die Straße war auch wesentlich besser als vor zwei Jahren. Man hatte wohl einige Beläge neu gemacht.

Von St. Leonhard zum Timmelsjoch hoch war dann nur noch Leiden angesagt. Durch die Abfahrt vorher waren die Muskeln kalt und ich musste erst langsam anfangen wieder zu Kurbeln, da sich Krämpfe bemerkbar machten. Auch konnte ich kaum sitzen, ohne dass sich mein Magen bemerkbar machte. So bin ich ständig im Wechsel zwischen stehen und sitzen gefahren.

Da es nun 2 ½ – 3 Stunden nur berghoch ging, setzte ich mir drei Ziele. Erstes war bis zur Baumgrenze wo die steilen Kehren begangen. Zweites Ziel war bis zum letzten Tunnel, wo der Anstieg deutlich flacher wurde und das große Leiden weniger wird. Drittes war dann die Kuppe am Timmelsjoch. 

Die Baumgrenze kam und kam aber nicht, obwohl ich doch schon total im „Arsch“ war. Als die Kehren dann endlich kamen quälte ich mich nun weiter, mit nur 10 km/h von Kurve zu Kurve. Sitzen, stehen, sitzen, stehen dann ca. 4 Kehren vor dem ersehnten Tunnel passierte es. Es machte „BLING“ und eine Hinterradspeiche war gebrochen. An Weiterfahren war nicht mehr zu denken schon gar nicht die Abfahrt runter. Ich habe dann ca. 25 min warten müssen. Aber dann gab es sofort Hilfe vom Servicewagen und ich bekam ein Ersatz-Hinterrad. Anschließend ging ich es langsamer an. Da ich inzwischen zu Fuß schon bei dem besagten Tunnel angekommen war, empfand ich es auch nicht mehr so schlimm. Zwischenzeitlich war auch Dietmar und Thomas an mir vorbei gefahren.

Den letzten Anstieg zur Mautstation noch mal mit Schwung genommen und dann mit Gänsehaut in den Ort Sölden gefahren.


Einer nach dem anderen trudelte nun ein und wir gingen dann, total erschöpft aber stolz das ganze erlebt zu haben, wieder zur Pizzeria Onkel Tom wo es jetzt statt Pizza, Grillteller und Rumpsteak gab und jeder seine eigene Geschichte zu erzählen hatte.schanky_triumphiert_klein.jpg

 

Letzte Änderung amMittwoch, 07 Januar 2015 23:07
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